Luftkurort Flechtingen
 
     
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Neu- und Alt-Flechtingen

Der folgende Text ist aus dem Heft 1 der Flechtinger Wanderhefte entnommen (Originaltext von Gerhard Dörfer).

Erich Pieper, einst Lehrer in Flechtingen, hatte zur Tausendjahrfeier im Jahre 1961 ein Gedicht verfaßt. Darin heißt es: „Wi hät dat Reisen gar nich nödig, wi hät dat alles vor de Dör." Das wird man bei jeder Wanderung durch den Flechtinger Forst bestätigt finden. Während der Wanderungen hier kann sich jeder davon überzeugen, wie vielfältig die Wälder rings um Flechtingen sind. Im Flechtinger Forst gedeihen Eichen, Buchen, Birken, Kiefern, Fichten, Lärchen, Douglasien und Weymouthkiefern üppig.

Beginnen wir diese Wanderung am Ausgang des Schloßparks zur Parkstraße. Der Blick fällt auf die moderne Schießsportanlage des Flechtinger Schützenvereins und auf das Sportzentrum. Wir wenden uns jedoch nach links und gehen ein Stück die Parkstraße entlang. Dann schlagen wir hinter den Gärten den Weg nach rechts in die Wiesen ein. Schon bald biegt rechts wieder ein kleiner Weg ab, am Ende dieses Weges sind vom Unkraut überwucherte Mauerreste zu sehen. ABM-Kräfte haben hier 1996 Reste der früheren Siedlung Flechtingen freigelegt.

Bei diesen Steinen handelt es sich um eine Laubkirche. Dieses Gebäude hat allerdings mit einer Kirche nichts zu tun, sondern soll ein Wohnturm gewesen sein. Hier müssen die früheren Einwohner von Flechtingen, das 961 erstmals urkundlich erwähnt wurde, gelebt haben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie sich jedoch mehr um den Schloßteich herum eine neue Heimstatt aufgebaut.

Erste urkundliche Hinweise auf die Wasserburg stammen aus dem Jahre 1307. Die Kernburg soll etwa von 1297 bis 1307 entstanden sein. So ist anzunehmen, daß sich die Flechtinger allmählich um die schützende Veste herum angesiedelt haben. Das einstige Dorf wurde wüst.

Auf den Ausgangsweg zurückgekehrt, gehen wir nun weiter auf die Wiesen zu, biegen davor jedoch nach links in den Wald ab. Schon bald gelangen wir zum Hundefriedhof. Hier haben die einstigen Schloßherren ihre Vierbeiner beerdigt. Für jedes Tier ist ein Findling mit Inschrift gesetzt worden. Daß "Greiner" von 1885 bis 1898, "Lumps" von 1892 bis 1904 und "Pluto" von 1900 bis 1912 lebten, ist darauf zu lesen.

Welche Hunderassen die damaligen Schloßherren bevorzugt haben, darüber ist hier nichts zu erfahren. ABM-Kräfte haben 1996 diesen Platz von Gestrüpp befreit. Um den Hundefriedhof haben sie einen Kreis aus Feldsteinen gelegt und Moos dazwischen gesetzt.

Vom Hundefriedhof aus laufen wir in Richtung Steinbruch durch den schützenden Wald. Der Weg ist unter dem trockenen Laub kaum zu sehen. Vorbei an Maiglöckchen und Heidelbeerbüschen kommen wir schließlich rechterhand auf die Zufahrtsstraße zum Steinbruch. Entlang der Straße wandern wir bis zum Betriebseingang. Von hier aus führt eine Straße nach Hilgesdorf. Wir gehen jedoch nur ein paar Schritte rechts davon in den Wald, um von der Holzbrücke in die Große Renne hinunter sehen zu können, die sich von Holzmühlenteich zum Schloß-See schlängelt. Der Vergleich zum Harz drängt sich wieder auf.

Wir kehren auf die Betriebsstraße des Unternehmens Norddeutsche Naturstein GmbH zurück und schlagen dann den Rückweg ein. Über den Kirchenweg gelangen wir schnell auf die Zufahrtsstraße zu den Median Kliniken. Schon bald biegt rechts ein Weg ab, der zur Schafweide führt. Hier befindet sich eine Bungalowsiedlung, die schon viele Jahre besteht. Vorbei an den Bungalows führt der Weg bis zum Parkrand. Von hier aus sind es nur noch ein paar Schritte bis zur jüngsten Flechtinger Siedlung, zum Wohngebiet Teichwiesen an der Altenhäuser Chaussee. Nach einem Blick auf die modernen Reihenhäuser gehen wir von Neu-Flechtingen aus in den Park zurück. Von der Brücke am Wehr aus haben wir einen herrlichen Blick auf das Schloß. Bei schönem Wetter ist der Schloß-See belebt von Kähnen und Wassertretern, die hier am Ufer ausgeliehen werden können. Unser Weg aber führt zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung, zum Parkeingang an der Parkstraße. Gern sind wir der Aufforderung des viel zu früh verstorbenen Flechtinger Lehrers Erich Pieper gefolgt:

Wat is de Himmel wiet un blau! Wie schön is doch de Welt!
Slat hinder jüch de Husdör tau, kommt rut int wie'e Feld!

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